Immer wieder wird in der öffentlichen Diskussion über die Kosten und die Zukunft der Pflege gestritten. Jüngst forderte die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach eine bundesweite finanzielle Förderung sogenannter Springerpools. Sie argumentiert, dass diese Modelle die „teure Inanspruchnahme“ von Zeitarbeit verringern könnten. Doch stimmt das wirklich?
Gesetzliche Lage: Zeitarbeit belastet die Kassen nicht zusätzlich
Ein genauer Blick auf die aktuelle Gesetzgebung zeigt: Durch das MDK-Reformgesetz (2019) und das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG, 2023) ist längst geregelt, dass Zeitarbeit die Sozialkassen nicht übermäßig belastet.
Die Kosten für Zeitarbeitskräfte sind nämlich gedeckelt auf den Bruttostundenlohn von festangestellten Pflegekräften. Alles, was über diesen Satz hinausgeht, tragen die Einrichtungen oder Krankenhäuser selbst – nicht die Krankenkassen oder die Beitragszahler.
Eine staatliche Förderung von Springerpools hingegen würde zwangsläufig die Allgemeinheit belasten – entweder über Krankenkassenbeiträge oder über Steuergelder. Profitieren würden davon vor allem private Träger, während die Kosten auf alle verteilt werden.
Was sagen Studien zum Kostenvergleich?
Für Deutschland liegen bisher keine umfassenden Studien zum direkten Vergleich von Zeitarbeit und Springerpools vor. Ein Blick in die Schweiz ist jedoch aufschlussreich:
Das Beratungsunternehmen Swiss Economics hat ein Gutachten veröffentlicht, das zeigt:
- Temporärarbeit (Zeitarbeit): Ø CHF 86 pro Stunde
- Springerpools / interne Flex-Modelle: Ø CHF 88–90 pro Stunde
Das Ergebnis: Zeitarbeit ist die kosteneffizientere Lösung, vor allem bei der Abdeckung kurzfristiger Personalengpässe. Springerpools schneiden in diesem Vergleich sogar als teuerste Variante ab.
Fazit: Kein Entweder-oder
Springerpools können eine sinnvolle Ergänzung sein – etwa, um Stammpersonal zu entlasten oder kurzfristige Lücken innerhalb eines Trägers zu füllen. Sie sollten jedoch nicht als kostengünstigere Alternative zur Zeitarbeit dargestellt werden, denn die Fakten sprechen dagegen.
Gerade in Zeiten von knappen Kassen und wachsender Belastung im Gesundheitssystem ist es wichtig, die Kosten realistisch einzuordnen und alle Instrumente – sowohl Zeitarbeit als auch Springermodelle – fair zu bewerten.